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Hoch über der Lahn schmiegt sich die verwinkelte Oberstadt mit ihrem imposanten Landgrafenschloss an steilen Berghängen
Die Geschichte der Stadt ist untrennbar mit zwei großen Namen verbunden: der heiligen Elisabeth von Thüringen und Landgraf Philipp dem Großmütigen. Im 13. Jahrhundert wurde Marburg durch das Wirken Elisabeths zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Abendlandes, was den Bau der majestätischen Elisabethkirche – der ersten rein gotischen Hallenkirche auf deutschem Boden – zur Folge hatte.
Später, im Jahr 1527, gründete Philipp hier die weltweit erste protestantische Universität, was das Schicksal Marburgs als Stadt der Wissenschaft besiegelte. Der berühmte Spruch „Andere Städte haben eine Universität, Marburg ist eine Universität“ beschreibt diesen Zustand bis heute treffend, da das studentische Leben jede Pore der Stadt durchdringt.
Städtebaulich ist Marburg ein vertikales Erlebnis. Die historische Oberstadt mit ihren steilen Treppen („Graben“), verwinkelten Fachwerkgassen und schmalen Durchgängen hat sich ihr mittelalterliches Gesicht fast vollständig bewahrt.
In der Gegenwart hat sich Marburg zudem zu einem global bedeutenden Standort für die Pharma- und Biotechnologie entwickelt. Aufbauend auf dem Erbe des ersten Nobelpreisträgers für Medizin, Emil von Behring, beherbergt die Stadt heute hochmoderne Forschungseinrichtungen und Produktionsstätten.
Das Schloss thront hoch über Marburg und vereint mehrere Epochen in seiner Architektur. Im Inneren präsentiert das Museum Exponate zur Landesgeschichte, Kunst und Archäologie. Besonders eindrucksvoll sind die historischen Prunksäle und der weite Panoramablick von den Schlossterrassen.
Die St.-Elisabeth-Kirche gilt als eines der frühesten rein gotischen Bauwerke in Deutschland. Sie wurde zu Ehren der heiligen Elisabeth errichtet, deren Grab hier liegt. Hohe Gewölbe, kunstvolle Glasfenster und feine Steinmetzarbeiten schaffen eine eindrucksvolle, feierliche Atmosphäre.
Der Botanische Garten der Philipps-Universität umfasst weitläufige Freiflächen und Gewächshäuser mit Pflanzen aus allen Klimazonen. Themenbereiche wie der Alpengarten oder das Tropenhaus bieten Abwechslung und vermitteln botanisches Wissen anschaulich.
Die Altstadt erstreckt sich über einen Hang unterhalb des Schlossbergs und begeistert mit kopfsteingepflasterten Gassen, Fachwerkfassaden und kleinen Plätzen. Zwischen Cafés, Boutiquen und historischen Gebäuden finden sich zahlreiche Fotomotive. Besonders reizvoll ist der Aufstieg durch enge Treppenpassagen, der immer wieder neue Blickwinkel auf die Stadt eröffnet.
Die gotische St.-Marien-Kirche entstand im 13. Jahrhundert und beeindruckt durch ihre schlanken Türme und reich gestalteten Altäre. Sie war über Jahrhunderte Zentrum des lutherischen Glaubens in Marburg und ist bis heute ein markanter Orientierungspunkt in der Altstadt.
In einer ehemaligen Industriehalle werden historische Polizeifahrzeuge aus mehreren Jahrzehnten präsentiert – von Streifenwagen über Motorräder bis zu Spezialfahrzeugen. Die Sammlung wird von einem Verein gepflegt, der regelmäßig Sonderausstellungen und Aktionstage anbietet.
Die Universitätskirche St. Nikolai gehört zu den ältesten Gebäuden Marburgs und beeindruckt durch schlichte gotische Architektur. Sie dient heute als geistliches Zentrum der Philipps-Universität und besticht durch ihre historischen Wandmalereien sowie eine ruhige Atmosphäre abseits der lebhaften Stadt.
Östlich der Altstadt, am Ufer der Lahn gelegen, hat Weidenhausen den Charme eines alten Handwerkerviertels bewahrt. Schmale Straßen, niedrige Fachwerkhäuser und kleine Gärten prägen das Bild. Ein Spaziergang entlang des Flusses oder durch die ruhigen Gassen bietet einen willkommenen Kontrast zum geschäftigen Treiben der Oberstadt.
Im Turm der Universitätskirche befindet sich eine funktionierende Camera Obscura, ein optisches Gerät, das ein lebendiges, aber seitenverkehrtes Bild der Stadt auf eine Projektionsfläche wirft. Dieses ungewöhnliche Erlebnis bietet einen faszinierenden, ganz neuen Blick auf Marburg – besonders bei klarer Sicht.
Das Mineralogische Museum zeigt eine beeindruckende Sammlung von Mineralien, Kristallen, Edelsteinen und Fossilien aus aller Welt. Besonders spannend sind die fluoreszierenden Exponate, die in abgedunkelten Räumen unter UV-Licht leuchten. Die Ausstellung vermittelt nicht nur naturwissenschaftliche Fakten, sondern auch die Schönheit und Vielfalt der Mineralienwelt.
Die kleine, schlichte St.-Michaels-Kapelle stammt aus dem 13. Jahrhundert und war ursprünglich Teil eines Spitals. Sie wirkt mit ihren dicken Mauern und schmalen Fenstern architektonisch sehr zurückhaltend, bietet aber durch ihre ruhige Atmosphäre einen besonderen Ort der Einkehr.